Die weltweite Zerstörung von Ökosystemen wird häufig durch Investitionen europäischer Banken mitfinanziert. Der EU-Finanzsektor spielt dabei eine entscheidende Rolle – mit erheblichen Auswirkungen auf den globalen Biodiversitätsschutz. Europäische Finanzinstitute sind maßgeblich an der Finanzierung von Unternehmen beteiligt, die in ökologisch riskanten Branchen agieren. Welche Verantwortung trägt die EU im Kampf gegen den Biodiversitätsverlust – und wie kann eine nachhaltige Finanzpolitik aussehen, die Naturzerstörung stoppt?
Von Tina Lutz und Vera Mannsbart, Deutsche Umwelthilfe
Finanzierung von Naturzerstörung – ein unterschätztes Risiko für Umwelt und Klima
Die Europäische Union ist ein zentraler Akteur im globalen Finanzsystem. Trotz politischer Bekenntnisse zu Umwelt- und Klimaschutz fehlen bislang wirksame Regelungen, um Finanzflüsse, die zur Zerstörung von Natur beitragen, zu begrenzen. Eine aktuelle Studie von Greenpeace International, Milieudefensie, Harvest und der Deutschen Umwelthilfe zeigt die bedeutende Rolle europäischer Finanzakteure bei der weltweiten Finanzierung ökologischer Risiken.
Zwischen 2016 und 2023 haben europäische Banken über 22 % aller globalen Kredite und über 9 % der weltweiten Investitionen an Unternehmen vergeben, die mit Entwaldung und der Zerstörung natürlicher Lebensräume in Verbindung stehen. Rund 87 % dieser Finanzierungen stammen aus nur vier EU-Ländern: Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien.
Hauptprobleme in der aktuellen EU-Finanzregulierung
1. Finanzierung umweltschädlicher Geschäftsmodelle
Große europäische Banken finanzieren weiterhin Konzerne, die nachweislich mit Entwaldung, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen in Verbindung stehen. Diese Investitionen beschleunigen den Verlust biologischer Vielfalt und schädigen fragile Ökosysteme weltweit.
2. Ausnahmen für den Finanzsektor in der EUDR
Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR), die im Mai 2023 verabschiedet wurde, soll ab Ende 2025 garantieren, dass Konsumprodukte in der EU nicht zur Entwaldung beitragen. Doch: Der Finanzsektor ist bislang von dieser Regelung ausgenommen. Das bedeutet, dass Banken weiterhin Projekte finanzieren können, die ökologische Schäden und den Verlust von Biodiversität verursachen.
3. Begrenzte Reichweite der CSDDD
Die Richtlinie über unternehmerische Sorgfaltspflichten (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD), verabschiedet im Juli 2024, zielt auf mehr Verantwortung in Lieferketten ab – doch Finanzinstitute bleiben weitgehend außen vor. Sie sind nicht verpflichtet, die Umwelt- und Sozialauswirkungen ihrer Finanzierungen systematisch zu prüfen, was eine erhebliche Regulierungslücke darstellt.
4. Fehlende Transparenz bei Finanzflüssen
Viele Banken verfügen weder über klare Richtlinien für nachhaltige Investitionen noch veröffentlichen sie systematisch Informationen zu ihren Finanzierungsaktivitäten. Ohne verpflichtende Offenlegungspflichten fehlt der Öffentlichkeit die Möglichkeit, Investitionen in umweltschädliche Unternehmen nachzuvollziehen.
Lösungsansätze für eine nachhaltige Finanzpolitik in der EU
Um die Natur als wirtschaftliche und ökologische Grundlage zu schützen, müssen Finanzströme nachhaltig gelenkt werden. Investoren und Gesetzgeber stehen dabei in der Verantwortung:
- Einbindung des Finanzsektors in EUDR und CSDDD: Bei der geplanten Überarbeitung dieser Regelwerke sollte der Geltungsbereich auf Banken und Finanzinstitutionen ausgeweitet werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass keine umweltschädlichen Geschäftsmodelle mehr unterstützt werden.
- Verpflichtende Sorgfaltspflichten für Finanzinstitutionen: Es braucht klare gesetzliche Vorgaben, die Banken dazu verpflichten, alle Aktivitäten der von ihnen finanzierten Unternehmen auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu prüfen.
- Mehr Transparenz und verbindliche Berichtsstandards: Finanzinstitute sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden, regelmäßig über ihre Investitionen zu berichten – insbesondere in Bezug auf Umweltwirkungen.
Ausblick: EU-Finanzpolitik als Hebel für Biodiversitätsschutz
Die Europäische Union trägt als globaler Finanzakteur eine zentrale Verantwortung, Finanzströme naturverträglich zu gestalten. Die bisherigen Entwicklungen – insbesondere EUDR und CSDDD – sind erste Schritte in die richtige Richtung, aber ohne konsequente Einbeziehung des Finanzsektors bleibt ihr Potenzial ungenutzt.
Die anstehende Überprüfung der EUDR bietet eine historische Chance, die Finanzbranche konsequent in den Biodiversitätsschutz einzubinden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Kapital künftig nicht mehr in Projekte fließt, die Wälder roden, Ökosysteme zerstören oder Artenvielfalt gefährden.
Finanzströme dürfen nicht länger die Zerstörung unserer wertvollsten Ressource fördern: der Natur. Denn Natur ist unser Kapital.
Mehr zu diesem Thema:
Für nähere Informationen zu diesem Thema konsultieren Sie bitte die folgenden Studien:
- Milliarden für Naturzerstörung
- Financing deforestation: German financial ties to high deforestation-risk companies
Derzeit arbeiten die DUH und Harvest an einer Studie, die im Sommer 2025 veröffentlicht wird und speziell die Praktiken der Deutschen Bank hervorhebt und dabei aufzeigt, wie diese zur Abholzung und dem Verlust der Artenvielfalt beiträgt.