Landwirtschaft

Etwas mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Diese Flächen liefern uns Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel.  Durch die Intensivierung der Bewirtschaftung steigt die Bereitstellung dieser Versorgungsleistungen; durch den Verlust naturnaher Flächen gehen allerdings andere Ökosystemleistungen verloren wie der Schutz der Luft-, Boden- und Wasserqualität, des Klimas und der biologischen Vielfalt.

Landwirtschaft

Herausforderung

Angesichts knapper werdender landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsflächen und steigender Anforderungen an die Produktivität der Erzeugung verändern sich landwirtschaftliche Betriebsstrukturen und Anbaumethoden; die Intensivnutzung nimmt weiter zu. Die Böden und die Naturressourcen werden immer stärker genutzt und dabei auch immer mehr belastet (TEEB DE, 2016). Die Intensivierung der Landwirtschaft führt zum Verlust naturnaher Flächen und ihrer Leistungen. Sie trägt zum Verlust der biologischen Vielfalt und zum Klimawandel bei. Die Emissionen der Landwirtschaft machen 12 % der gesamten THG-Emissionen in Deutschland aus, davon gehen 37% auf die trockengelegten Moorböden zurück, obwohl sie nur etwa 6 % der landwirtschaftlichen Flächen ausmachen (BMEL, 2019). Die zu hohen Stickstoffüberschüsse beeinträchtigen die Qualität von Luft, Grundwasser, Binnengewässern, Meeren und Landökosystemen und gefährden die menschliche Gesundheit (Hansjürgens et al., 2019). Die betrieblichen Erträge aus einer nicht-nachhaltigen Landwirtschaft führen zu Kosten, die letztlich von der Gesellschaft getragen werden müssen.

Inwertsetzung

Im Rahmen der Reform der europäischen Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) sollten Direktzahlungen künftig nach einem Punktesystem an die Erbringung von Umweltleistungen geknüpft werden. Mit dem Klimaschutzplan 2050 hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Klimaschutzpotenziale der Landwirtschaft auszuschöpfenDer Erhalt der Natur ist oft günstiger, als ihre Leistungen mit technisch aufwändigen Verfahren zu ersetzen. Der Wert der Natur und ihrer Leistungen muss daher viel stärker in den öffentlichen und privaten Entscheidungen im landwirtschaftlichen Sektor integriert werden.  

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Informieren Sie sich über entsprechende Fallbeispiele

Bestäubung: Vielfalt der Blüte sichert Vielfalt auf dem Tisch

41% der Pflanzen in Deutschland sind abhängig von Insektenbestäubung. Vielfalt und Häufigkeit (Biomasse) bestäubender Insekten sind durch die Intensivierung der Landnutzung und Landschaftsveränderungen stark zurückgegangen. Blüten- und kleinstrukturreiche Lebensräume sind Grundlage einer nachhaltigen Ernährungssicherung und tragen zur Absicherung von Ökosystemleistungen und zur Erhaltung der Biodiversität bei (TEEB DE, 2017 c). Eine Fallstudie für Deutschland zeigt, dass zwischen 2006 und 2016 Pflanzen im Produktionswert von ca. 3,9 Milliarden Euro abhängig von Insektenbestäubung waren. Ein plötzlicher Zusammenbruch aller Bestäuber würde einen Erntekollaps mit erheblichen kurzfristigen Wohlfahrtseffekten bedeuten (Lippert et al., 2021).

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Stickstoffüberschüsse: Umweltbelastung und Kostentreiber der Trinkwasserbereitstellung

Die hohen Stickstoffbelastungen in Deutschland, die vor allem in Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Düngung entstehen, führen zu Umweltschäden und belasten die menschliche Gesundheit. Die gesellschaftlichen Kosten dieser Stickstoffüberschüsse übersteigen oft den Nutzen einer erhöhten landwirtschaftlichen Produktion. Die Folgen betreffen auch die Wasserwirtschaft: Für Wasserversorger ist es zum Beispiel kostengünstiger, Zahlungen an landwirtschaftliche Betriebe zu leisten, damit diese weniger Stickstoff in die Natur eintragen, als stärker belastetes Rohwasser aufzubereiten (TEEB DE, 2017).

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Grünlandumbruch: Ein gesellschaftliches Verlustgeschäft

Grünland ist für zahlreiche Ökosystemleistungen vorteilhaft. Es hat eine hohe Wasserspeicherkapazität. Es bietet Schutz gegenüber Wind- und Wassererosion. Im Randbereich von Gewässern kann Grünland den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen aus angrenzenden Flächen in die Gewässer vermindern. Es hat daher eine hohe Bedeutung für den Schutz der Oberflächengewässer und des Grund- und Trinkwassers. Der hohe Kohlenstoffgehalt in Grünland-Böden hat außerdem positive Wirkungen für den Klimaschutz. Eine Studie zeigt, dass die Umwandlung von Grünland in Acker, insbesondere der Umbruch von hochwertigem naturnahen Grünland (sog. High-Nature-Value Grünland), höhere gesellschaftliche Kosten als Nutzen verursacht.

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Über dieses Projekt

Natur ist unser Kapital ist eine Kampagne, um den Wert unseres Kapitals Natur anhand der Aufbereitung von Fallbeispielen aus Wissenschaft und Praxis sichtbar zu machen. Intakte und funktionsfähige Ökosysteme und ihre Leistungen bilden die Existenzgrundlage unseres Lebens. Dennoch wird der Wert dieses Kapitals nicht ausreichend in öffentlichen und privaten Entscheidungen berücksichtigt.

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Die Natur ist aus ökonomischer Sicht ein notwendiger Kapitalbestand, den wir erhalten und wiederherstellen müssen.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur und ihre Leistungen!