Naturkapital

Warum sprechen wir über „Naturkapital“?

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Wir können es uns nicht leisten, in unserer Gesellschaft die Natur nicht als Kapital zu begreifen. Denn wir hängen von ihr in vielfältiger Weise ab und profitieren von ihren Leistungen. Saubere Luft, trinkbares Wasser, fruchtbare Böden, die Filterung von Staub aus der Luft, die Reinigung des Wassers, die Bindung von Treibhausgasen: all dies sind Leistungen der Natur, die für uns unentbehrlich sind. Die Natur nicht zu schützen führt in vielen Fällen zu viel höheren Kosten als die nachträgliche Korrektur von Umweltschäden.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur.

Es gibt eine Reihe von Ökosystemen in Deutschland, die uns solche Leistungen bieten. Unsere Wohlfahrt hängt allerdings nicht nur von den Ökosystemleistungen ab, die die Natur uns in Deutschland bereitstellt, sondern auch von denen, die von der Natur in anderen Teilen der Welt bereitgestellt werden.

In der Literatur werden diese Ökosystemleistungen nach vier Kategorien unterschieden:

Versorgungsleistungen

Versorgungsleistungen bezeichnen die Beiträge der Natur bei der Erzeugung von Gütern wie Nahrungsmitteln, Holz, Frischwasser oder Fasern.

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Regulationsleistungen beziehen sich auf die Steuerung der Ökosysteme, den Wirkungen auf das Klima und den Niederschlag, den Schutz vor Überschwemmungen und Bodenerosion oder den Abbau von Schadstoffen.

Kulturelle Leistungen

Kulturelle Leistungen bereichern unser Leben. Nationalparks und andere Schutzgebiete gehören zum kulturellen Erbe eines Landes und stiften Identität. Die Gebiete haben einen Freizeit- und Erholungswert und eine spirituelle Wirkung. Sie werden als Kulturgüter und in ihrer sozialen Dimension anerkannt. Ihr Nutzen ist bedeutend für unsere Gesundheit und unser seelisches Wohlbefinden.

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Basis- oder unterstützende Leistungen umfassen Prozesse wie Bodenbildung, Photosynthese und den Nährstoffkreislauf. Sie bilden die Grundlage für die anderen Leistungen der Biodiversität und der Ökosysteme.

Inwertsetzung

Es reicht nicht, den Wert der Natur und ihrer Ökosystemleistungen zu erkennen und zu messen, wir müssen diesen auch in Wert setzen!

Es gibt bereits Zielsetzungen, Instrumente und Maßnahmen für den Naturschutz. Allerdings leiden diese unter einer Umsetzungsschwäche wegen mangelnder Finanzierung und anderer politischen Prioritätensetzungen.

Bei gesellschaftlichen Entscheidungen überwiegen oft partielle Interessen, die Orientierung an kurzfristigen Gewinnen und das Denken in sektoralen Grenzen.

Wir müssen unsere Entscheidungsregeln anders ausgestalten: das Gemeinwohlinteresse muss stärker verfolgt werden, die Langfristperspektive muss an Bedeutung gewinnen und die Gesamtheit der Ökosystemleistungen müssen in den Mittelpunkt rücken.

Wir müssen die Vielfalt von Ökosystemleistungen besser in unsere Entscheidungen einbinden!

Was brauchen wir dafür?

Perspektivwechsel

Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Wir brauchen klare und umsetzungsorientierte Zielvorgaben und staatliche Regulierung zugunsten von Umwelt- und Naturschutz.

Bestehende gesetzliche Regelungen und politische Ziele müssen in Handlungsprogramme einfließen und umgesetzt werden.

Wir brauchen ein kohärentes System von Standards, um einen verbindlichen Bezugsrahmen für die Nutzung des Naturkapitals zu setzen.

Wir brauchen neue Allianzen und Sektoren übergreifendes Denken, die Wahrnehmung unternehmerischer Verantwortung für die Erhaltung des Naturkapitals und Anstrengungen, um Deutschlands ökologischen Fußabdruck zu reduzieren

Perspektivwechsel

Information

Wir brauchen bessere Informationsgrundlagen über Ökosystemleistungen und die Entwicklung des Naturkapitals. Wir müssen die Erfassung von Ökosystemleistungen auf staatlicher und kommunaler Ebene erweitern und ein dauerhaftes Monitoring einbeziehen (sog. Natural Capital Accounting).

Wir müssen unternehmerische Rechnungssysteme weiterentwickeln. Die Erfassung und Bewertung von Auswirkungen auf den Naturkapital muss verbindlich in der Gesetzesfolgenabschätzung, in Umweltprüfungen und in räumlichen Planungssystemen verankert sein.

Information

Kooperation

Die Kooperation und Integration der verschiedenen Sektoren und Politikbereiche jenseits des Umwelt- und Naturschutzes ist essenziell. Sie sind nicht nur Treiber des Rückgangs der biologischen Vielfalt, sondern hängen auch direkt von Ökosystemleistungen ab.

In den Bereichen Landwirtschaft, Energie- und Klimapolitik, Gewässerschutz oder Gesundheit ergeben sich Synergien, wenn das Naturkapital erhalten wird. Eine verstärkte sektorenübergreifende Zusammenarbeit ist erforderlich, um die bestehenden Synergien zu nutzen.

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Quelle:

Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2018): Werte der Natur aufzeigen und in Entscheidungen integrieren – eine Synthese. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig.

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Über dieses Projekt

Natur ist unser Kapital ist eine Kampagne, um den Wert unseres Kapitals Natur anhand der Aufbereitung von Fallbeispielen aus Wissenschaft und Praxis sichtbar zu machen. Intakte und funktionsfähige Ökosysteme und ihre Leistungen bilden die Existenzgrundlage unseres Lebens. Dennoch wird der Wert dieses Kapitals nicht ausreichend in öffentlichen und privaten Entscheidungen berücksichtigt.

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Die Natur ist aus ökonomischer Sicht ein notwendiger Kapitalbestand, den wir erhalten und wiederherstellen müssen.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur und ihre Leistungen!