Gewässer und Auen

Naturnahe Gewässer und Auen tragen zur Wasserversorgung und zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Sie sind Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und versorgen uns mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Sie dienen als Hochwasserschutz, tragen zur Regulierung des Klimas bei, und bieten uns Erlebnisse, Inspiration und Erholung. Naturnahe Gewässerrandstreifen schützen Gewässer vor Nährstoffeinträgen, bieten Erosionsschutz und Lebensraum für Bestäuber sowie andere Arten und werten das Landschaftsbild auf.

Herausforderung

Die meisten Flusslandschaften werden in Deutschland seit Jahrhunderten intensiv genutzt, Gewässer wurden verbaut, eingefasst, begradigt und ausgebaggert. Die Leistungen dieser Ökosysteme gehen dadurch verloren. Der Verlust an Auenbereichen als Retentionsraum führt außerdem zu einem beschleunigten Wasserabfluss, verhindert die Selbstreinigung des Gewässers von Schadstoffen wie Pestiziden und Nitrat und verstärkt Extremereignisse wie Trockenheit und Hochwasser. Mit den zunehmenden Klimaveränderungen wird sich diese Entwicklung noch weiter verstärken.

Inwertsetzung

Mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) strebt die EU bis 2027 einen guten ökologischen Zustand von Flüssen an. Laut Bundesregierung (2018) erreichten in Deutschland jedoch nur 6,7% der Flusswasserkörper diesen Zustand. Die Renaturierung von Fließgewässern und ihren Auen muss in Deutschland weiter fortgesetzt werden. Diese kommt nicht nur dem Hochwasserschutz zugute, sondern auch der biologischen Vielfalt, dem Klimaschutz und der Wasserreinhaltung.

Jetzt Teilen auf

Informieren Sie sich über entsprechende Fallbeispiele

Deichrückverlegung als Hochwasserschutz an der Mittelelbe

Der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen mit Deichrückverlegung an der Mittelelbe ist dreimal höher ist als deren Kosten (siehe Grafik). Das konnte ein Forscherteam der Technischen Universität Berlin anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse nachweisen (Grossmann et al. 2010).

Fallbeispiel ansehen

Die Leistungen der Auenrenaturierung an der Nebel

Umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, die seit 1990 an der Nebel durchgeführt wurden, führten zu einem erhöhten Nutzen für die Gesellschaft. Sie verbesserten die Hoch- und Niedrigwasserregulation und den Treibhausgas-Rückhalt, den Lebensraum und das Landschaftsbild und führten zu einem Anstieg der gewässerbezogenen menschlichen Aktivitäten. Das konnte anhand des „River Ecosystem Service Index“ (RESI) aufgezeigt werden, ein Werkzeug zur fachübergreifenden systematischen Bewertung von Handlungsoptionen durch die Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen (Podschun et al., 2018).

Fallbeispiel ansehen

Gewässerrandstreifen: Multifunktionaler Nutzen für die Gesellschaft

In Niedersachsen zeigte sich, dass die Etablierung von Gewässerrandstreifen mit absolutem Bewirtschaftungs- und Düngeverbot unter Berücksichtigung der zahlreichen Ökosystemleistungen, die diese erbringen, eine volkswirtschaftlich hoch rentable Investition ist.

Fallbeispiel ansehen

Die Leistungen einer Auenrenaturierung an der Nahe

Durch die Umwandlung von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen (überwiegend Ackerflächen) in Feuchtlebensräume, Auengewässer und Auwald entstehen nicht nur neue Habitate, sondern es verbessern sich auch die Hoch- und Niedrigwasserregulation, die Bodenbildung, Sedimentregulation und Stickstoff-Retention. Diese Ergebnisse konnten anhand des „River Ecosystem Service Index“ (RESI) aufgezeigt werden (Podschun et al. 2018).

Fallbeispiel ansehen

Über dieses Projekt

Natur ist unser Kapital ist eine Kampagne, um den Wert unseres Kapitals Natur anhand der Aufbereitung von Fallbeispielen aus Wissenschaft und Praxis sichtbar zu machen. Intakte und funktionsfähige Ökosysteme und ihre Leistungen bilden die Existenzgrundlage unseres Lebens. Dennoch wird der Wert dieses Kapitals nicht ausreichend in öffentlichen und privaten Entscheidungen berücksichtigt.

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Die Natur ist aus ökonomischer Sicht ein notwendiger Kapitalbestand, den wir erhalten und wiederherstellen müssen.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur und ihre Leistungen!