Fallbeispiel

Geschützte Naturräume generieren regionale Wertschöpfung

Die Großschutzgebiete in Deutschland sichern die biologische Vielfalt und erbringen wichtige Leistungen wie die Regulierung des Klimas. Außerdem tragen sie durch ihre Funktion als Erholungs- und Tourismusmagnete in besonderem Maße zur regionalen Wertschöpfung bei. Diese ist höher ist als die entgangenen Einnahmen der Forst- und Holzwirtschaft, wie das Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald zeigt (Mayer et al. 2010).

Jetzt Teilen auf

Problemstellung

Durch ihre Funktion als Erholungs- und Tourismusmagnete spielen Großschutzgebiete vor allem in ländlichen Räumen eine wichtige Rolle für die regionale Entwicklung (Metzler et al. 2016). Sie befördern Mehreinnahmen und Betriebsneugründungen im Bereich Tourismus, die weitere Multiplikatoreffekte in der Region haben. Ebenso steigern sie das Image einer Region. Dennoch gibt es oft Widerstände gegen die Ausweisung weiterer Großschutzgebiete, die u. a. mit Einkommensverlusten in anderen Wirtschaftsbereichen begründet werden.

Maßnahme

Geschützte Naturräume.

Analyse

Mit einer Wertschöpfungsanalyse wurden alle deutschen Nationalparks und ausgewählte Biosphärenreservate hinsichtlich ihrer touristischen Einkommenswirkungen untersucht (Job et al. 2009). Das Ergebnis zeigt, dass Großschutzgebiete einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Besucher sowie die Höhe ihrer durchschnittlichen Tagesausgaben haben. Bei den Nationalparks reichen die touristischen Bruttoumsätze von 1,9 Mio. Euro im Nationalpark Unteres Odertal bis hin zu mehr als 1 Mrd. Euro im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Metzler et al. 2016).

Am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald zeigt sich, dass die regionale Wertschöpfung des Tourismus, der auf das Schutzgebiet zurückgeführt werden kann, höher ist als die Wertschöpfung, die durch Nutzungseinschränkungen verloren geht, z. B. für die Forst- und Holzwirtschaft (Job und Mayer 2012, siehe Grafik). Die Ausgaben der Nationalparkbesucher führten 2007 zu einer Wertschöpfung von rund 13,5 Mio. Euro (Mayer et al. 2010). Ohne Nationalparkstatus und die dazu gehörigen Infrastrukturen und Besuchereinrichtungen läge die jährliche regionale Wertschöpfung des Tourismus nur bei ca. 2,9 Mio. Euro. Das bedeutet eine zusätzliche Wertschöpfung im Tourismus durch den Nationalpark-Status von mehr als 10 Mio. Euro. Wenn es keinen Nationalpark gäbe, könnten alternativ Einnahmen aus der Forst- und Holzwirtschaft erzielt werden. In Abhängigkeit von Annahmen zu jährlich zu erntenden Festmetern, unterstellten Rundholz- und Schnittholzpreisen sowie der Wertschöpfungsquote der holzverarbeitenden Industrie würden diese Einnahmen in einer Bandbreite von 5,4 – 6,8 Mio. Euro/Jahr liegen.

Insgesamt ergibt sich damit eine zusätzliche Wertschöpfung durch den Nationalpark in einer Bandbreite von 3,8 – 5,2 Millionen Euro. Neben den regionalwirtschaftlichen Effekten bedeutet der Besuch für die Touristen in der Regel einen Zusatznutzen in Form besonderer Erholungsleistungen. Dieser bleibt in der oben dargestellten Kalkulation – wie auch der Wert anderer Ökosystemleistungen – unberücksichtigt.

Regionale Wertschöpfung verschiedener Nutzungsoptionen des Bayrischen Waldes in Millionen Euro pro Jahr. Quelle: Eigene Abbildung nach Daten von Job und Mayer (2012) und TEEB DE (2017).

Fazit

Die regionalwirtschaftlichen Effekte von Großschutzgebieten können die Einnahmen alternativer Nutzungen wie Holzproduktion und -Weiterverarbeitung durchaus übersteigen. Während zu den touristisch bedingten regionalwirtschaftlichen Entwicklungseffekten von Nationalparks und Biosphärenreservaten bereits einige Studien vorliegen, gilt dies nicht in gleicher Weise für andere Ökosystemleistungen wie z. B. den Erholungsnutzen der Besucher, Klimaschutz, Hochwasserschutz oder die Gewässerreinigung.

Referenzen

Job, H., Mayer, M. (2012): Forstwirtschaft versus Waldnaturschutz: Regionalwirtschaftliche Opportunitätskosten des Nationalparks Bayerischer Wald. Allgemeine Forst- und Jagdzeitschrift 183: 129 – 144.

Job, H., Woltering, M., Harrer, B. (2009): Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen Nationalparken. Naturschutz und Biologische Vielfalt 76. Landwirtschaftsverlag, Münster.

Metzler, D., Woltering, M., Scheder, N. (2016): Naturtourismus in Deutschlands Nationalparken. Natur und Landschaft 91 (1): 8 – 14.
Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2017). Fallbeispiel Großschutzgebiete. In: Naturkapital Deutschland – TEEB DE: Neue Handlungsoptionen ergreifen – Eine Synthese. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig.

Woltering, M., Mayer, M., Harper, B., Metzler, D., Job, H. (2008): Nachfrageseitige Analyse des Tou-rismus in der Nationalparkregion Bayerischer Wald. In: Job, H. (Hrsg.), Die Destination Nationalpark Bayerischer Wald als regionaler Wirtschaftsfaktor. Wissenschaftliche Reihe Nationalpark Bayerischer Wald, Sonderheft, Grafenau: 21 – 65.

Über dieses Projekt

Natur ist unser Kapital ist eine Kampagne, um den Wert unseres Kapitals Natur anhand der Aufbereitung von Fallbeispielen aus Wissenschaft und Praxis sichtbar zu machen. Intakte und funktionsfähige Ökosysteme und ihre Leistungen bilden die Existenzgrundlage unseres Lebens. Dennoch wird der Wert dieses Kapitals nicht ausreichend in öffentlichen und privaten Entscheidungen berücksichtigt.

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Die Natur ist aus ökonomischer Sicht ein notwendiger Kapitalbestand, den wir erhalten und wiederherstellen müssen.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur und ihre Leistungen!