Fallbeispiel

Grünlandumbruch: Ein gesellschaftliches Verlustgeschäft

Grünland ist für zahlreiche Ökosystemleistungen vorteilhaft. Es hat eine hohe Wasserspeicherkapazität. Es bietet Schutz gegenüber Wind- und Wassererosion. Im Randbereich von Gewässern kann Grünland den Eintrag von Nähr- und Schadstoffen aus angrenzenden Flächen in die Gewässer vermindern. Es hat daher eine hohe Bedeutung für den Schutz der Oberflächengewässer und des Grund- und Trinkwassers. Der hohe Kohlenstoffgehalt in Grünland-Böden hat außerdem positive Wirkungen für den Klimaschutz. Eine Studie zeigt, dass die Umwandlung von Grünland in Acker, insbesondere der Umbruch von hochwertigem naturnahen Grünland (sog. High-Nature-Value Grünland), höhere gesellschaftliche Kosten als Nutzen verursacht.

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Problemstellung

Die Grünlandfläche hat in Deutschland von 1991 bis 2019 um rund 11 % abgenommen (UBA 2020). Das Grünland ist durch den hohen Bedarf an ackerbaulichen Futtermitteln und die Förderung des Anbaus von Energiepflanzen unter Druck (UBA 2020). Artenreiche Grünland-Lebensräume verzeichnen starke Rückgänge sowohl quantitativ hinsichtlich ihrer Fläche als auch qualitativ, etwa hinsichtlich des vorhandenen Artenbestandes. Mehr als 55% aller dieser Lebensräume sind in einem ungünstigen bzw. -schlechten Zustand, weniger als 10 % sind in einem günstigen Zustand (BMU, 2020).

Die Umwandlung von Grünland in Acker ist der größte Treiber des Grünlandumbruchs. Dadurch wird die Kohlenstoffspeicherfunktion des Bodens vermindert. Die Anfälligkeit gegenüber Erosion und die Nährstoffbelastung der Gewässer steigen, und es geht – gerade bei hochwertigem naturnahen Grünland – auch Lebensraum für eine Vielzahl von Arten verloren.

Die Umwandlung von Grünland in Acker ist der größte Treiber des Grünlandumbruchs. Dadurch wird die Kohlenstoffspeicherfunktion des Bodens vermindert. Die Anfälligkeit gegenüber Erosion und die Nährstoffbelastung der Gewässer steigen, und es geht – gerade bei hochwertigem naturnahen Grünland – auch Lebensraum für eine Vielzahl von Arten verloren.

Maßnahme

Grünlanderhalt anstatt Grünlandumbruch zu Ackerland.

Analyse

Aus ökonomischer Sicht besteht das Problem darin, dass nicht alle Kosten des Grünlandumbruchs bei den betriebsinternen Entscheidungen berücksichtigt werden. Der Verlust von Ökosystemleistungen wird bisher von der Gesellschaft getragen. Ein Vergleich macht die ökonomischen Vorteile des Grünlanderhalts gegenüber dem Umbruch zu Ackerland deutlich (siehe Infografik).

Der gesellschaftliche Nettonutzen der Grünlanderhaltung, die Differenz zwischen den verlorenen betriebswirtschaftlichen Erlösen und den jeweiligen gesellschaftlichen Nutzen, liegt bei hochwertigem naturnahen Grünland zwischen 440 und 3.000 Euro / ha / Jahr. Ohne die Berücksichtigung der Werte für den Naturschutz würde sich für normales Grünland ein geringerer Verlust von ca. 140 – 2.000 Euro ergeben. Auf ackerbaulich weniger rentablen Standorten ist die Erhaltung generell vorteilhafter. Zusätzliche – hier bisher nicht erfasste – Ökosystemleistungen wie der Erosionsschutz würden die Bilanz des Grünlanderhalts weiter verbessern.

Kosten und Nutzen aus der Veränderung verschiedener Ökosystemleistungen und der Zahlungsbereitschaft für grünlandbezogenen Naturschutz bei Umbruch naturschutzfachlich wertvollen Grünlands in Acker pro ha und Jahr. Eigene Darstellung aus TEEB DE (2016).

Fazit

Die gesellschaftlichen Kosten einer Umwandlung insbesondere von artenreichem Grünland sind in der Regel deutlich höher als die betriebswirtschaftlichen Gewinne durch die Nutzung als Ackerland. Grünland ist ein besonders hochwertiges Naturkapital, dessen Verlust volkswirtschaftlich betrachtet kontraproduktiv ist. Dies bedeutet hohe Kosten, die für Maßnahmen des Klimaschutzes, der Gewässerreinhaltung und der Erhaltung der biologischen Vielfalt an anderer Stelle investiert werden müssten. Es bedarf zusätzlicher Instrumente und Regelungen bzw. deren Umsetzung, um die Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen des Grünlandes auch in der betrieblichen Rechnung des Landwirtes ausreichend rentabel zu machen.

Referenzen

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMU) (2017): Rechenschaftsbericht 2017 der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt: Biologische Vielfalt in Deutschland: Fortschritte sichern -Herausforderungen annehmen!

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMU) (2020): Die Lage der Natur in Deutschland. Ergebnisse von EU-Vogelschutz- und FFH-Bericht

Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2017): Fallbeispiel Grünlandumbruch. In: Naturkapital Deutschland – TEEB DE: Neue Handlungsoptionen ergreifen – Eine Synthese. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig.

Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2016): Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen – Grundlage für menschliches Wohlergehen und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Schlussfolgerungen für

Entscheidungsträger. Leibniz-Universität Hannover, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Hannover, Leipzig.

Umweltbundesamt (UBA) (2015): Reaktiver Stickstoff in Deutschland: Ursachen, Wirkungen, Maßnahmen. UBA, Dessau-Roßlau.

Über dieses Projekt

Natur ist unser Kapital ist eine Kampagne, um den Wert unseres Kapitals Natur anhand der Aufbereitung von Fallbeispielen aus Wissenschaft und Praxis sichtbar zu machen. Intakte und funktionsfähige Ökosysteme und ihre Leistungen bilden die Existenzgrundlage unseres Lebens. Dennoch wird der Wert dieses Kapitals nicht ausreichend in öffentlichen und privaten Entscheidungen berücksichtigt.

Unsere Art und Weise des Wirtschaftens und Konsumierens führt zu einer Überlastung der Natur. Das beeinträchtigt die Bereitstellung viele ihrer Leistungen und bedroht unsere Gesundheit, Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Die Natur ist aus ökonomischer Sicht ein notwendiger Kapitalbestand, den wir erhalten und wiederherstellen müssen.

Nicht die Natur braucht uns, sondern wir brauchen die Natur und ihre Leistungen!