Fallbeispiel

MoorFutures® : CO2-Zertifikate aus Moorwiedervernässung

MoorFutures sind Kohlenstoffzertifikate, die die Emissionsreduktionen nach Wiedervernässung von Mooren abbilden. Diese Zertifikate werden als Kompensation für unvermeidbare Emissionen an Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen verkauft; über die Einnahmen werden Wiedervernässungsmaßnahmen finanziert. MoorFutures sind 2010 in Mecklenburg-Vorpommern eingeführt worden und waren weltweit die ersten Kohlenstoffzertifikate für Moorwiedervernässung (Joosten et al., 2013).

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Problemstellung

Lebende, intakte Moore speichern große Mengen an Kohlenstoff und Wasser. Sie bieten außerdem vielen bedrohten Arten Lebens- und Rückzugsräume, z.B. Kiebitzen und selten gewordenen Amphibien und Reptilien. Sie regulieren das Klima, indem sie Kohlenstoff binden, und dienen der Wasserregulierung durch Wasserfilterung und -rückhaltung. Heute sind allerdings 95 Prozent aller großen Moorlandschaften in Deutschland für Land- und Forstwirtschaft sowie Torfabbau trockengelegt (TEEB DE, 2012).

Durch die Entwässerung der deutschen Moore werden große Mengen an Kohlenstoff freigesetzt, die über Jahrtausende im Torfkörper gespeichert wurden. Mit Treibhausgas-Emissionen von deutschlandweit mehr als 40 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten pro Jahr machen trockene Moorböden ein Drittel der Emissionsquellen der deutschen Landwirtschaft aus – und dies auf nur acht Prozent der Produktionsfläche (SRU 2012). Durch Moorbodenschutz ergibt sich daher ein vergleichsweise hohes Einsparungspotential von ca. 5 bis 30 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten pro Jahr (TEEB DE, 2012).

Maßnahme

Die vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern und der Universität Greifswald entwickelten MoorFutures® sind ein regionaler Moorkohlenstoff-Standard, mit denen Moorwiedervernässung und -revitalisierung stimuliert und finanziert werden sollen. Damit verbunden ist die Einschränkung, dass die MoorFutures® nicht übertragbar sind und ein Handel somit nicht möglich ist. Die MoorFutures® orientieren sich an den Kriterien des Verified Carbon Standards und des Kyoto Protokolls (Schäfer et al., 2012).

Analyse

Die Grundidee der Emissionsrechte für Treibhausgasemissionen, die im Rahmen eines „cap and trade“-Systems an Kohlenstoffmärkten gehandelt werden, besteht darin, dass eine zulässige Menge der Emissionen in einem bestimmten Zeitintervall festgelegt wird („cap“). Emittenten erhalten Emissionsrechte, die sie dazu berechtigen, eine festgelegte Emission pro Zeiteinheit zu emittieren. Die Zertifikate sind übertragbar und können am Markt gehandelt werden („trade“). Durch Angebot und Nachfrage bildet sich ein Preis für die Zertifikate. Das vorgegebene Umweltziel wird durch die Ausnutzung von Marktmechanismen mit minimalen volkswirtschaftlichen Kosten erreicht (Schäfer et al., 2012).

Diese Grundidee des Zertifikatehandels ist bei den MoorFutures® nur eingeschränkt gegeben, da die Preisbildung nicht unter den von der Theorie angenommenen idealen Bedingungen einer vollständigen Konkurrenz am Markt erfolgen kann. Die Hauptzielgruppe der MoorFutures® sind Unternehmen, die ihre THG-Emissionen freiwillig kompensieren und damit ihre soziale und ökologische Verantwortung („Corporate Social Responsibility“) öffentlichkeitswirksam darstellen möchten (Schäfer et al., 2012).

Die MoorFutures® konzentrieren sich auf den Erwerb von Kohlenstoffzertifikaten durch regionale Unternehmen und streben an, gesamte Moorwiedervernässungsprojekte zu verkaufen, um somit die öffentlichkeitswirksame Identifikation mit einem konkreten Gebiet zu ermöglichen (Permien 2011). Die Beschränkung auf einen regionalen Kohlenstoffmarkt bietet Unternehmen die Chance, einen stärkeren regionalen Bezug im Rahmen ihrer Marketingstrategie herzustellen. Die Projekte sind vor Ort erlebbar und können mit entsprechenden Angeboten auch für die Umweltbildung eingesetzt werden. Der freiwillige Kohlenstoffmarkt bietet hierfür sehr gute Anknüpfungspunkte. In einer Marktuntersuchung wurde ein Unterangebot an freiwilligen Kompensationsprojekten aus Deutschland festgestellt (Kind et al., 2010).

Die Honorierung des Klimaschutzes über (freiwillige) Kohlenstoffmärkte birgt die Gefahr, dass die Bedeutung weiterer wohlfahrtsrelevanter Ökosystemleistungen einschließlich der biologischen Vielfalt in den Hintergrund geraten könnten, vor allem dann, wenn der Klimaschutz honoriert wird und die anderen Ökosystemleistungen nicht. Solange jedoch die oben genannten Projekttypen auch positive Auswirkungen auf die anderen Ökosystemleistungen haben, werden diese komplementär als “Kuppelprodukte” gratis erbracht (Schäfer et al., 2012).

Fazit

Die Inwertsetzung von Mooren kann sich an Zertifikatemärkten orientieren. Dabei müssen Kriterien sicherstellen, dass die Lösungen auch tatsächlich wünschenswerte Wirkungen nach sich ziehen. Mit den MoorFutures® in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein solches innovatives Instrument entwickelt und erfolgreich in der Praxis eingeführt. An diesem Beispiel wurde zugleich gezeigt, dass ökonomische Aspekte nicht nur bei der Monetarisierung von Ökosystemleistungen eine wichtige Rolle spielen, sondern dass diese Leistungen auch “kommodifiziert” (als Ware privatisiert) und an Märkten gehandelt werden können (Schäfer et al., 2012).

Referenzen

Kind, C.; Duwe, S.; Tänzler, D.; Reuster, L.; Kleemann, M. & Krebs, J.-M. (2010): Analyse des deutschen Marktes zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen. Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.

Schäfer, A., Couwenberg, J. und Joosten, H. (2012): MoorFutures®: CO2-Zertifikate aus Moorwiedervernässung. Der Nutzen von Ökonomie und Ökosystemleistungen für die Naturschutzpraxis Workshop II: Gewässer, Auen und Moore BfN-Skripten 319

TEEB- DE (2012): Falllbeispiel: Mecklenburg-Vorpommern: Moorschutz als Klimaschutzinvestition SRU (2012) Verantwortung in einer begrenzten Welt. Sachverständigenrat für Umweltfragen, Berlin.

Über dieses Projekt

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